Da waren zuerst die Möbel, dann die Stube. Die hübschen Möbel in der bäuerlichen Stube bekam ich etwas nachträglich zu meinem 60. Geburtstag. In einem unscheinbaren Schuhkarton wurden mir diese ganz besonderen Schreinermöbel, allerdings erheblich sanierungsbedürftig, aus dem Familienbesitz von Susi Schmid geschenkt. Als im Internet ein älterer Mann gleich drei Puppenstuben/-häuser gegen ein Kilo Kaffee tauschen wollte, wurde ich aktiver denn je. Der Kaffee war ja schließlich das kleinste Problem, aber die Häuser standen in Geltendorf. Auf Googlemaps zeigte es mir die Gegend an, wo meine Nichte Maria im größeren Umkreis nun wohnt. Nach einem kurzem Telefonat mit Maria, war der Deal gerettet. Zufällig war auch der Familen VW-Bus zu der Zeit in Igling, also konnte mit nur einer Fahrt die Abholung von den drei Häusern in Geltendorf durchgeführt werden. Manchmal muss man auch Dusel haben. Nur wenige Tage später war ich eine Puppenstube und zwei Puppenhäuser reicher und ein paar Päckchen Kaffee ärmer ;-) Die drei Gebäude waren einmal zum Ausbau für Krippen vorgesehen. Durch den Umzug des Vorbesitzers wurde der Traum aber jäh beendet und die Immobilien fanden bei mir Einzug. Als ich die Zweizimmerstube sah, wusste ich sofort, dass sie für die Möbel von Susi wie dafür gemacht ist. Ganz so einfach war es dann leider nicht, da in dem größeren Raum ein Kamin fest darin verbaut war und bei der Ausstattung von Susi ein wunderschöner Kachelofen dabei war. Also flog der Kamin schweren Herzens raus, in der Hoffnung, dass ich ihn woanders einmal brauchen kann. Den kleineren Raum habe ich als Schlafzimmer vorgesehen. Bei den Schlafzimmermöbeln hatte ich wieder mal nicht nachgemessen, so befanden sie sich schon einige Zeit in meinem Besitz, weil sie für die meisten meiner Häuser vom Maßstab her zu groß waren. Doch irgendwann kommt der passende Moment immer, so konnte ich sie einfach nehmen und hier aufbauen. 1:10 in beiden Zimmern, nur die Durchgangstüre ist etwas für Zwergenwüchsige, aber das soll die Besonderheit sein. Das Gehäuse, samt Tapeten, Bodenbelag und einigen Vorhängen ist im Original geblieben. Die vielen Löcher in der Wand, wo der Kamin befestigt war, verdeckte ich so gut es ging mit einer Kletterpflanze. Also auch das Beste daraus gemacht.
Ich finde die Stube als ganz etwas Besonders. Am Boden dieser handwerklichen Arbeit, steht übrigens in Handschrift:
„Weihnachten 1938, Steinbacher Ludwig, Augsburg“.
Ob das nun der Schreiner oder der Beschenkte war, werde ich nicht mehr herausbekommen. Aber immerhin hat sie bald 90 Jahre auf dem Buckel!
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